Die beiden Riedels bei der Weltmeisterschaft in Rovaniemi/Finnland

Bronzemedaille für Lu Riedel, Wolf wurde 21.

Der Höhepunkt in ihrem gemeinsamen Leben als Wettkampfbogenschützen sollte für Anja Luisa “Lu” Riedel und Wolf-Martin Riedel vom SV Hoffeld die Weltmeisterschaft im 3D-Bogenschießen werden. Im letzten Jahr hatten sie noch bei der Europameisterschaft in Confolens teilgenommen, und Anja Luisa hatte sich damals in einem Wahnsinns-Wettkampf die Goldmedaille für den Europameistertitel geholt – das war fantastisch! Wolf hatte krankheitsbedingt den Wettbewerb nach durchwachsenen Platzierungen im Mittelfeld nicht beenden können. Die 1000 Kilometer nach Frankreich hatten beide damals entspannt mit ihrem Campervan bewältigt.

Wieder Erwarten war nun in diesem Jahr die zweitägige Anreise zur Weltmeisterschaft per Flug über Berlin nach Helsinki und die letzten 1000 Kilometer mit dem Nachtzug (nie wieder: zu unruhig, Schlaf immer nur für Minuten) hoch zum Polarkreis nach Lappland sehr stressig. Aber bis Wettkampfbeginn am 3. Juli waren vier Tage zur Eingewöhnung und als Toleranzzeit für das Gepäck mit den Bogenausrüstungen eingeplant. Beide hatten Glück, die Taschen konnten am Flughafen in Helsinki rechtzeitig für die Weiterfahrt im Zug übernommen werden. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Teilnehmern, die Pech hatten und sich sogar Bogen und Pfeile ausleihen mussten.

Die erste Disziplin war Doppelhunter, sie fand für beide am ersten Wettkampftag in der Nacht bei Mitternachtssonne statt. Wolf war mental gar nicht da. Während er sich bei den letzten Doppelhunterliga-Wettkämpfen vor der WM noch hatte festigen können und regelmäßig um die 250 Punkte schaffte, lief’s am ersten Tag der WM gar nicht gut. Der Wettkampfbeginn war erst um 20 Uhr. Das ging bis morgens um 4 Uhr. Aber: voller Durchbruch der Target Panic – 200 Punkte, Platz 34. Das bekam er aber nach dem Ruhetag super in Griff und schaffte bei der 3D-Runde fantastische 474 Punkte – das neuntbeste Tagesergebnis. Am nächsten Tag lief die Ein-Pfeil-Hunterrunde wieder nicht so toll, aber dafür der letzte Tag: wieder 3-Pfeil, wieder Tagesneunter mit strammen 468 Punkten. Insgesamt Rang 21. Die Gesamtplatzierung spiegelt die guten Resultate nicht wieder – denn vor Wolf sind die Abstände extrem knapp: Mit nur 15 Punkten mehr wäre er 15. geworden und mit dem ansonsten machbaren Doppelhunter-Ergebnis von 250 Punkten sogar elfter. Aber wenn…

Wolfs Frau Lu brachte leider die überragende Form der Wochen und Monate vor der WM nicht mit nach Rovaniemi. In allen Wettkämpfen bis dahin hatte sie unangefochten gewonnen, hatte alle Frauen deklassiert und wäre von den erreichten Punktzahlen sogar bei den Männern stets auf dem Treppchen gelandet. Und als amtierende Europameisterin galt sie bei vielen als Favoritin. Aber genau das sollte sich zu ihrem Problem entwickeln: In der ersten Wettkampfdisziplin Hunter mit nur einem Pfeil pro Ziel lief’s zunächst erwartungsgemäß gut und sie lag lange knapp vorne. Doch zur Hälfte der Nacht kamen ein paar schlechtere Schüsse und die direkt hinter ihr liegende Konkurrenz zog vorbei. Das ergab zunächst den Rang vier. Den konnte sie am zweiten Tag halten und am dritten bei einem absoluten “Kopf-an-Kopf-Rennen” sogar auf Rang drei verbessern, was sie schließlich mit hauchdünnem Vorsprung von 5 Punkten “ins Ziel” brachte. Richtig zufrieden war sie an keinem Tag, denn ihr fehlte die Souveränität der Monate zuvor. Aber der Druck war zu groß – von ihr selbst und auch von außen. Und während bei Wolf unter den Konkurrenten eine unglaubliche, beflügelnde Harmonie herrschte, wo sich jeder über gute Schüsse der Gegner mitfreute, war der Konkurrenzdruck unter den gleichstarken Damen sehr hoch. Inzwischen kann sich Lu natürlich über den dritten Rang freuen. Sie sieht positiv, dass der Druck als Bronzemedaillengewinnerin in der nächsten Zeit und in den folgenden Wettkämpfen weit nicht so groß sein wird, wie der, wenn sie den Weltmeistertitel geholt hätte.

Übrigens war es traumhaft, eine WM in Lappland zu erleben: atemberaubende Landschaft mit allerdings sehr anspruchsvollem Gelände für die Wettkampfschützen, stimmungsvolle Mitternachtssonne, die absolut tiefenentspannten Finnen, über 900 Schützen aus 31 Ländern, aus allen Teilen der Welt, Atmosphäre, usw.

Problematisch war nur, dass die Wettkämpfe in einem Naturschutzgebiet statt fanden. Da Backstopps so gut wie keine aufgestellt waren zerschellten danebengegangene Pfeile entweder an einem Felsen oder verschwanden im 20 Zentimeter tiefen Moos. Danach zu graben, war strengstens verboten und wurde heimlich überwacht. Wer dabei zweimal gefilmt wurde, wurde disqualifiziert. Nach den verloren gegangenen Pfeilen wurde von der Organisation in den Wettkampfpausen mit Metalldetektoren gesucht. Tatsächlich erhielt Wolf einen Pfeil zurück, der direkt neben einem 70 cm kleinen Pinguin vom Moos verschluckt worden war. Der fiese, winzige Pinguin stand 42 Meter weit weg vom Pflock, und damit sehr, sehr weit. Sonst „opferte“ er nur noch einen Pfeil auf einem Felsen, und Lu verzeichnete gar keinen Verlust. Beide hatten also viel Glück – andere schimpften dafür umso mehr, vor allem die Primitiv- und Holzbogenschützen fluchten schwer. Manch einer hatte 15 Stück an einem Tag verloren und musste vor Ort Nachschub kaufen, der dann aber überhaupt nicht zum Equipment passte.

Rovaniemi, die Hauptstadt Lapplands, liegt in Nordfinnland und ist mit rund 8000 Quadratkilometern die größte Stadt Europas. Auf dieser Riesenfläche wohnen allerdings nur 85.000 Einwohner. Der prominenteste ist der Weihnachtsmann, der hier zusammen mit seinen Rentieren sein Quartier hat und in Santa Claus Village sogar über ein eigenes Postamt verfügt. Nur die An- und dann auch die Abreisen mit dem Flugzeug waren ziemlich schlecht verlaufen. Bei aller Digitalisierung hat man beim Reisen Gott sei Dank immer noch mit Menschen zu tun, aber die kommen mit eben dieser ausufernden Digitalisierung immer weniger zurecht, was Chaos zur Folge hat. Im Nachhinein wären Lu und Wolf lieber mit ihrem Campervan selber gefahren – trotz Zeitaufwand und der enormen Strecke von rund 6000 Kilometern hin und zurück – dafür hätten sie sich dabei größtenteils auf sich selber verlassen können.

Die Europameisterschaft im kommenden Jahr wird in der Steiermark in Österreich sein. Dorthin geht die Reise dann auf jeden Fall nicht im Flugzeug…

Am Bahnhof in Helsinki: Warten auf den Nachtzug
Am Bahnhof in Helsinki: Warten auf den Nachtzug
Hier wird das Fernglas von Lu gecheckt, ob ein Entfernungsmesser eingebaut ist
Beim Marsch der Nationen sind wir mittendrin und machen Radau
Jetzt geht’s los: Lu geht mit ihrer Gruppe auf den ersten Parcours
Ganz hinten, der weiße Fleck ist das Ziel. Danebenschießen gibt Verlust oder Pfeilbruch
Schwer zu treffen: flache Ziele auf unbekannten Entfernungen
Während Lu schon auf den weißen Wolf schießt, sondiert ihre Gegnerin noch
Die sind echt. Ein Treffer kostet 10.000 Euro Strafe
Ein mooriger und moosiger Wald, die Stechmücken sieht man nicht
Siegerehrung in der Klasse Bowhunter Recurve bei den Jungen Seniorinnen
In Rovaniemi vor der Sporthalle, wo wir uns anmelden und das Equipment geprüft wird
Santa Claus begrüßt uns persönlich
Wir sind das Volk…
Alle Schützen stehen nebeneinander und schießen erst nach dem Kommando
Über 900 Schützen nahmen teil an der Weltmeisterschaft
Zunächst geht es sogar noch durch den öffentlichen Straßenverkehr
Null Uhr: der liegende Hirsch im Gegenlicht der Mitternachtssonne
Blick vom höchsten Berg auf die wartende Gruppe von Lu
Noch ein weiter Schuss auf ein Tier der Gruppe 1
Wolf hatte Glück mit sehr angenehmen Konkurrenten
Auf Stegen läuft man durch das Moor
Vin links: Anja Luise Riedel (Platz 3), Rosa Janwlecke (Platz 2), Regina Rommel (Platz 1)
Lu und Wolf

Finale der Deutschen Bowhunterliga: vier Stuttgarter Bogenjäger qualifiziert

Deutschland-weite Liga findet ihren 2023er-Höhepunkt in Maulbronn

Die ganze Saison über fanden rund 25 vergleichbare Turniere nach dem Doppelhunter-Modus statt, und die besten Bogenschützen wurden zum Final-Turnier eingeladen. Der Saisonhöhepunkt findet am 15./16. September in der Klosterstadt Maulbronn statt.

Qualifiziert für das Finale der Bowhunterliga: Wolf-Martin und Anja Luisa Riedel, die beiden links im Bild, und Günther Manz sowie Lothar Hahn, die beiden rechts. Auch im Bild: Marc Mauch, dem wir gute Besserung wünschen, und Reinhard Meyer, der die Liga diese Jahr ausließ
Qualifiziert für das Finale der Bowhunterliga: Wolf-Martin und Anja Luisa Riedel, die beiden links im Bild, und Günther Manz sowie Lothar Hahn, die beiden rechts. Auch im Bild: Marc Mauch, dem wir gute Besserung wünschen, und Reinhard Meyer, der die Liga diese Jahr ausließ

In mancher Augen gilt dieser Modus Doppelhunter als die schwierigste Wettkampfform. Zwei perfekte Schüsse aus verschiedenen Entfernungen auf das selbe Ziel, das kann sehr anspruchsvoll sein.

An rund 20 Wochenenden fanden im gesamten Bundesgebiet ein- oder zweittägige Qualifikationsturniere statt. Man muss mindestens dreimal dabei sein und kann sogar mehrfach teilnehmen, aber nur die drei höchsten Ergebnisse davon werden gewertet. Am besten von den männlichen Stuttgarter Bogenjägern vom SV Hoffeld hat dies  Günther Manz hinbekommen. In der Klasse der Traditionellen Recurvebogen landete er bei den Jungen Senioren ab 55 Jahren bundesweit mit 848 Punkten auf Rang zwei (sehr konstante 286, 282 und 280 Punkte). Nach längerer Führung während der Saison hatte ihm erst ganz am Ende der Heidelberger Reiner Schuppel, der BHL-Gesamtsieger der Jahre 2021 und 2022, den Platz eins abgenommen.

Im gleichen Feld der TRB dahinter Wolf-Martin Riedel auf Platz sechs. Sein grandioses Ergebnis von 305 Punkten in Altenburg im Schwarzwald hatte ihn zunächst sogar auf den vierten Platz nach vorne katapultiert. Die weiteren gewerteten Ergebnisse: 254 und 253 Punkte, macht zusammen 812 Zähler. Beim letzten Turnier in Mitteldeutschland schoben ihn zwei Kontrahenten dann doch noch um zwei Ränge zurück. 

Auch Lothar Hahn ist in derselben Klasse durch seinen 13. Platz mit dabei. Er erzielte bei den drei Turnieren, die in die Wertung einfließen,  241, 240 und 236 Punkte; das macht insgesamt 717 Punkte.

Sprichwörtlich den Vogel abgeschossen mit ihren phänomenal hohen Punktzahlen hat Anja Luisa Riedel in der Klasse Bowhunter Recurve ebenfalls bei den Jungen Seniorinnen. Am ersten Tag in Haigerloch-Stetten lieferte sie grandiose 341 Punkte ab. Und am zweiten Tag setzte sie noch mal eines drauf: unfassbare hohe 361 Zähler. MIt ihrem dritten gewerteten Ergebnis von 316 Punkten kann sie unglaubliche 1018 Punkte anschreiben lassen: unangefochtener Platz eins in ganz Deutschland. Damit wäre sie auch bei den BHR-Männern vorne dabei gewesen.

Doch beim Finale in Maulbronn am Wochenende des 16. und 17. Septembers sind alle vorher erzielten Ergebnisse Makulatur. Alles wird auf null gestellt, die Karten neu gemischt. In Ausscheidungskämpfen Mann gegen Mann und Frau gegen Frau kommt in einem abgewandelten KO-System nur jeweils der bessere eine Runde weiter. Auf diese Weise werden die beiden Halbfinale und schließlich die Medaillen ausgefochten bis hin zu den Finalkämpfen sowohl um die Plätze eins und zwei als auch die Plätze drei und vier.  Dabei stehen dann jeweils vier Tiere bereit, eines von jeder der nach Größe sortierten Tiergruppen, und diese dienen auch hier wiederum aus zwei Entfernungen als Ziel. Zur Krönung finden die Medaillenkämpfe dann sogar vor Publikum statt und hier gilt es um so mehr, die Nerven zu bewahren.

Herbstturnier für alle am 8. Oktober

3D-Turnier für Erfahrene, Anfänger und Jugendliche
Haltet Euch den Termin frei: Den “Golden Summer” wollen wir genießen mit einem gemeinsamen Turnier, bei dem Erwachsene, Jugendliche, Neulinge, erfahrene Turnierschützen – einfach alle Mitglieder der Abteilung der Bogenschützen im SV Hoffeld willkommen sind.

Es wird nur eine Bogenklasse ohne Handicap-Wertung, getrennt nach Herren, Damen und Jugend, geben.

Wir werden ab 10 Uhr gemeinsam einen 3D-Parcours aus 14 Zielen aufbauen.  Turnierbeginn 11 Uhr.

Geschossen wird in der ersten Runde aus zwei Entfernungen: Erfahrene nehmen das Ziel vom hinteren Pflock ins Visier, Newcomer und Jugendliche vom vorderen.  Newcomer sind in diesem Fall diejenigen, die in diesem Jahr neu in die Abteilung gekommen sind und erstmals bei einem Schnupperkurs teilgenommen haben.

Nach der Mittagspause, in der wir ein Vesper aus der Küche von Rü bekommen, geht’s weiter mit einer schneller ablaufenden Ein-Pfeil-Runde oder einer etwas aufwändigeren Doppel-Hunter-Runde, je nach Zeit.

Jeder darf gerne selbstgebackene Kekse, Kuchen oder sonstiges Fingerfood mitbringen.

Teilnahmegebühr 15  Euro für Erwachsene, inklusive Schnitzelbrötchen oder Leberkäs-Wecken und ein Getränk. Bitte bei der Anmeldung angeben, was gewünscht wird. Jugendliche dürfen kostenlos teilnehmen. Der Erlös fließt in die Abteilungskasse für die Anschaffung von neuen 3D-Zielen oder anderen benötigten Dingen.

Anmelden im Kalendereintrag im Kommentar unten. Die Anmeldung bis zum 5. Oktober ist für die Turnierplanung zwingend erforderlich – wer sich nicht anmeldet, kann nicht teilnehmen.

Die Teilnahmegebühr kann entweder donnerstags bar bei den Range Captains Peter Hirt und Peter Bloch bezahlt werden.

Oder per Paypal an: paypal@bogenjaeger-stuttgart.info

Das Geld muss bis 5. Oktober eingegangen sein. Diese Teilnahmegebühren sind Reuegebühren, werden also bei Nichtteilnahme nicht erstattet.